Wie viel Geld braucht man im Ruhestand?
So berechnen Sie Ihren Bedarf
Mitten im turbulenten Familienalltag, zwischen der Planung des nächsten Sommerurlaubs und den alltäglichen Ausgaben, wirkt der Ruhestand oft noch unendlich weit weg. Wen wundert’s? Das Leben findet im Hier und Jetzt statt, und das ist auch gut so. Doch stellen Sie sich einmal ernsthaft die Frage: Was passiert eigentlich, wenn das regelmäßige Gehalt plötzlich wegfällt?
Wie viel Geld braucht man im Ruhestand wirklich, um all die schönen Dinge, die man sich aufgebaut hat, weiterhin entspannt genießen zu können? Verzeihen Sie, wenn wir Ihnen an dieser Stelle kurz die rosarote Brille abnehmen müssen: Ein pauschales „Das wird schon reichen“ funktioniert bei der Altersvorsorge leider nicht. Wer seinen Lebensstandard halten möchte, braucht klare Zahlen und Ziele. Aber keine Sorge, das Ganze ist kein Hexenwerk. Wenn Sie frühzeitig wissen, wie viel Kapital Sie im Alter benötigen, ersparen Sie sich böse Überraschungen und können jetzt ganz entspannt und zielgerichtet gegensteuern. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Ihren echten Bedarf berechnen und Ihre persönliche Rentenlücke schließen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die 80 Prozent-Regel: Als realistische Faustregel gilt: Sie benötigen im Alter etwa 80 Prozent Ihres letzten Nettoeinkommens, um Ihren gewohnten Lebensstandard problemlos zu halten.
- Vorsicht bei Brutto: Die Rente auf Ihrer jährlichen Information sieht fantastisch aus? Denken Sie daran: Das ist ein Bruttobetrag. Kranken- und Pflegeversicherung sowie oft auch Steuern gehen davon noch ab.
- Die Rentenlücke kennen: Das ist die konkrete monatliche Differenz zwischen Ihrem tatsächlichen Finanzbedarf und den gesetzlich garantierten Nettoeinkünften.
- Das nötige Kapital: Um eine monatliche Lücke dauerhaft zu schließen, benötigen Sie einen soliden Vermögensstock. Bei einer Lücke von 1.000 Euro monatlich sprechen wir schnell von 300.000 Euro und mehr.
- Steuerfreibeträge 2026: Der steuerliche Grundfreibetrag liegt im Jahr 2026 bei 12.348 Euro für Ledige (und doppelt so hoch für zusammenveranlagte Ehepaare).
Die 80 Prozent-Regel: Wie hoch sind Ihre Ausgaben im Alter?
Das komplette Geld in einen Topf zu werfen und einfach mal zu schauen, wie weit man im Alter kommt, kommt für die wenigsten infrage. Um finanziell planen zu können, brauchen Sie einen verlässlichen Richtwert. Wenn es um die fundamentale Frage geht, “Wie viel Geld braucht man im Ruhestand?”, hilft eine etablierte Richtgröße der Stiftung Warentest: Rechnen Sie damit, dass Sie als Rentner etwa 80 Prozent Ihres letzten regelmäßigen Nettoeinkommens benötigen.
Aber warum sinkt der Bedarf überhaupt um 20 Prozent?
Ganz einfach: Viele Kostenblöcke, die Sie während Ihres langen Berufslebens begleiten, fallen später einfach weg. Dazu gehören Aufwendungen für das tägliche Pendeln zum Arbeitsplatz, teure Business-Outfits oder auch die Sparraten für die Altersvorsorge selbst, da Sie dann schließlich am Ziel angekommen sind. Auch stehen die Kinder meist finanziell längst auf eigenen Beinen und Sie haben Ihre Immobilienkredite im besten Fall vollständig getilgt.
Schließlich soll der Ruhestand kein reines Verwalten von Fixkosten sein, sondern die Zeit, in der Sie lang gehegte Pläne endlich in die Tat umsetzen können. Mit der gewonnenen Freizeit verändern sich jedoch auch die Prioritäten: Die Budgets für Reisen, Hobbys, Restaurantbesuche oder Kulturveranstaltungen wachsen oft ganz automatisch. Zudem nehmen die Gesundheitskosten im Alter in der Regel zu, sei es für Zuzahlungen bei Behandlungen oder spezielle Pflegeleistungen. Die 80 Prozent-Regel ist daher ein hervorragender Mittelweg für die Kalkulation. Wer allerdings plant, im Ruhestand sehr oft auf teure Weltreisen zu gehen, sollte seinen individuellen Prozentsatz ehrlicherweise eher bei 90 bis 100 Prozent ansetzen.

In 3 Schritten zur persönlichen Rentenlücke
Um herauszufinden, wie es um Ihre Finanzen im Alter wirklich steht, reicht das Bauchgefühl nicht aus. Sie müssen Ihre persönliche Rentenlücke berechnen. Diese zeigt Ihnen ganz konkret, wie viel Geld am Ende des Monats fehlt. Mit einem strukturierten Ansatz und der leitenden Frage „Wie viel Geld braucht man im Ruhestand?“ lässt sich die Differenz ganz einfach in drei Schritten ermitteln.
1. Den eigenen Bedarf ermitteln
Starten Sie mit dem heutigen Stand. Nehmen Sie Ihr aktuelles monatliches Haushaltsnettoeinkommen und wenden Sie die 80 Prozent-Regel an. Wenn Sie beispielsweise gemeinsam als Paar 5.000 Euro netto im Monat verdienen, läge Ihr prognostizierter Bedarf im Alter bei etwa 4.000 Euro netto. Prüfen Sie diese Summe anhand Ihrer heutigen Alltagsausgaben. Fühlt sich das realistisch an? Dann haben Sie Ihr erstes Zwischenziel gefunden.
2. Gesetzliche Rente und Abzüge prüfen
Im zweiten Schritt betrachten Sie Ihre Einnahmen. Der wichtigste Baustein ist für die meisten die gesetzliche Rentenversicherung. Ein Blick auf die jährliche Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung liefert Ihnen den voraussichtlichen Auszahlungsbetrag. Doch Vorsicht, hier tappen viele in eine gefährliche Falle: Dieser Betrag ist brutto! Im Jahr 2026 profitieren Rentner zwar von einer Rentenanpassung in Höhe von 4,24 Prozent sowie der durch das Rentenpaket II verankerten „Haltelinie“ eines Rentenniveaus von mindestens 48 Prozent. Dennoch müssen Sie von der Bruttorente rund 11 bis 12 Prozent für die Kranken- und Pflegeversicherung der Rentner (KVdR) abziehen. Und auch das Finanzamt möchte unter Umständen noch ein Wörtchen mitreden.
3. Die monatliche Differenz berechnen
Nun ziehen Sie die realistisch erwarteten Nettoeinkünfte von Ihrem ermittelten Bedarf ab. Angenommen, Ihr gemeinsamer Bedarf liegt bei den besagten 4.000 Euro, aber Ihre gemeinsamen sicheren Nettoeinkünfte betragen nach allen Abzügen nur 2.800 Euro. In diesem Fall belaufen sich Ihre monatlichen Fehlbeträge auf exakt 1.200 Euro. Genau diese Differenz müssen Sie später durch private Ersparnisse, Mieteinnahmen oder Kapitalerträge ausgleichen.
Kapitalbedarf: Wie viel Vermögen schließt die Rentenlücke?
Wenn klar ist, wie groß die monatliche Lücke ist, stellt sich sofort die entscheidende Frage: Wie viel Vermögen muss ich eigentlich aufbauen, um mir diesen Betrag über Jahrzehnte hinweg auszahlen zu können? Um zu berechnen, wie viel Geld man im Ruhestand als Gesamtvermögen braucht, müssen wir den Blick von der Ansparphase auf die Entnahmephase richten.
Um eine monatliche Lücke von 1.200 Euro zu schließen, benötigen Sie aufs Jahr gerechnet 14.400 Euro. Eine bekannte und bewährte finanzmathematische Orientierungshilfe ist die sogenannte 4 Prozent-Regel. Sie besagt, dass Sie jährlich 4 Prozent Ihres anfänglichen Portfolios entnehmen können, ohne dass Sie Ihr Vermögen innerhalb von 30 Jahren aufbrauchen. Voraussetzung dafür ist, dass das Kapital breit und clever investiert bleibt.
Die Rechnung ist simpel: Teilen Sie Ihren jährlichen Bedarf von 14.400 Euro durch 0,04. Daraus ergibt sich ein benötigter Kapitalstock von 360.000 Euro. Wer lieber etwas konservativer rechnet und von einer Entnahmerate von 3 Prozent ausgeht, bräuchte für denselben monatlichen Betrag bereits 480.000 Euro.
Wichtig ist dabei eine smarte Strukturierung Ihres Vermögens beim Renteneintritt. Eine Überlegung, zumindest einen Teil des Geldes umzuschichten, ist es auf jeden Fall wert. Es empfiehlt sich, die Ausgaben für die ersten zwei bis drei Jahre aus dem riskanten Marktumfeld herauszunehmen und in risikoarmen Anlagen zu parken. Festgeldlaufzeiten geben hier beispielsweise enorme Planungssicherheit, da Sie sich einen konstanten Zinssatz sichern und bei Börsenschwankungen nicht gezwungen sind, Ihr Wertpapierportfolio mit Verlust zu verkaufen.
Inflation und Steuern: Das sollten Sie 2026 beachten
Eine seriöse Ruhestandsplanung kommt an zwei wesentlichen Spaßbremsen nicht vorbei: dem Kaufkraftverlust und dem Fiskus. Wer heute ausrechnet, dass in der Kasse 1.200 Euro fehlen, wird in zwanzig Jahren aufgrund der Inflation deutlich mehr Geld in die Hand nehmen müssen, um denselben Lebensstandard zu finanzieren.
Bei einer durchschnittlichen Inflationsrate von zwei Prozent pro Jahr halbiert sich die Kaufkraft des Geldes in etwa 35 Jahren. Ihr Erspartes muss also zwingend Rendite erwirtschaften, um nicht schleichend an Wert zu verlieren. Wenn Sie sich also fragen, wie viel Geld braucht man im Ruhestand, müssen Sie diesen schleichenden Kaufkraftverlust unbedingt von Anfang an einkalkulieren.
Zudem ist auch das Finanzamt im Alter präsent. Der Anteil der Rente, der versteuert werden muss, steigt für Neurentner jährlich an. Wer im Jahr 2026 in den Ruhestand geht, muss 86 Prozent seiner gesetzlichen Rente versteuern. Allerdings greift auch hier der rettende steuerliche Grundfreibetrag. Dieser liegt 2026 bei 12.348 Euro für Ledige und 24.696 Euro für zusammenveranlagte Ehepaare. Liegen Ihre zu versteuernden Einkünfte unter dieser Grenze, fallen glücklicherweise gar keine Steuern an.
Fazit
Die Frage, wie viel Geld braucht man im Ruhestand, lässt sich nicht mit einer einzigen pauschalen Zahl für alle beantworten. Mit der 80 Prozent-Regel haben Sie jedoch ein fantastisches und verlässliches Werkzeug an der Hand, um Ihren ganz persönlichen künftigen Bedarf abzuschätzen. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihre Rentenlücke ehrlich zu berechnen. Das erfordert vielleicht kurz Mut, aber es vertreibt die Unsicherheit und gibt Ihnen wertvollen Handlungsspielraum zurück.
Der Aufbau eines ausreichenden Kapitalstocks erfordert Zeit und Disziplin, ist aber klar planbar und machbar. Beziehen Sie bei Ihrer Kalkulation unbedingt Faktoren wie Inflation, Abgaben und die aktuellen Steuerfreibeträge mit ein. Wer seine Finanzen rechtzeitig strukturiert und einen soliden Liquiditätspuffer einplant, schafft das beste Fundament für einen wunderbaren, entspannten und finanziell unabhängigen neuen Lebensabschnitt.
Autorin: Annika Rössler, August 2026
Die wichtigsten Fragen zu Kapital im Ruhestand
Nein, die in der jährlichen Renteninformation ausgewiesenen Zahlen sind immer Bruttowerte. Vor der tatsächlichen Auszahlung auf Ihr Girokonto werden automatisch die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung der Rentner abgezogen. Je nach Ihrer persönlichen Steuersituation und den geltenden Freibeträgen kann anschließend auch noch Einkommensteuer fällig werden.
Die einfache Antwort: Je früher, desto besser. Der Zinseszins benötigt Zeit, um seine volle Kraft zu entfalten. Ein idealer Zeitpunkt für eine erste detaillierte Bestandsaufnahme ist das Alter zwischen 40 und 45 Jahren. In dieser Lebensphase sind das Einkommen und die familiären Strukturen meist gefestigt, und es bleibt noch ausreichend Zeit, um eine Rentenlücke ohne schmerzhaft hohe monatliche Sparraten systematisch zu schließen.
Neben steigenden Kosten für Pflege und medizinische Zusatzleistungen unterschätzen viele Ruheständler den finanziellen Aufwand für ihr Wohneigentum. Ist die geliebte Immobilie endlich abbezahlt, stehen oft größere Instandhaltungsmaßnahmen an – vom neuen Dach bis zur modernen, barrierefreien Badsanierung. Auch die finanzielle Unterstützung von Kindern (etwa beim ersten eigenen Hauskauf) oder Enkeln bindet oft unerwartet viel Kapital.
Eine bewährte Methode für den Vermögensaufbau ist die 50-30-20-Regel. Demnach sollten 50 Prozent Ihres Nettoeinkommens für Fixkosten, 30 Prozent für Freizeit und Konsum und mindestens 20 Prozent für den langfristigen Vermögensaufbau und die Schuldentilgung verwendet werden. Wer erst später im Leben mit dem Sparen beginnt, muss diesen prozentualen Anteil jedoch oft erhöhen, um sein persönliches Ziel bis zum Renteneintritt noch zu erreichen.
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