Geld allein macht nicht glücklich. Aber ohne Geld geht’s auch nicht. Doch wie viel Geld benötigt man, um glücklich zu sein? Und macht immer mehr Geld immer glücklicher? Viele Menschen sehen ein bestimmtes Glücksoptimum.
Jeder Mensch definiert Glück anders. Für die einen ist es der Partner oder die Familie, für andere der Job oder die individuelle Selbstverwirklichung und wieder andere halten materielle Werte wie ein eigenes Haus oder ein prall gefülltes Konto für besonders erstrebenswert. Auch eine gute Gesundheit und ein langes Leben werden oft im Zusammenhang mit Glück genannt.
Mehr Geld macht nicht glücklich
Die Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahnemann und Angus Deaton aus den USA untersuchten den Zusammenhang zwischen Einkommen und Glück. Nach ihren Erkenntnissen laufen beide Parameter nicht linear zueinander. Immer mehr Einkommen führt demnach nicht zu immer mehr Glück. Wer beispielsweise jährlich 20.000 Euro verdient, würde einen starken Glückszuwachs verspüren, wenn sich das Gehalt auf 40.000 Euro verdoppelt. Steigert sich das Gehalt auf 80.000 Euro, würde man sich ebenfalls freuen, aber weniger als bei der vorherigen Verdoppelung. Ab 80.000 Euro Jahresgehalt schwächt sich die Euphorie über weitere Zuwächse deutlich ab. Ökonomen sprechen hier von einem „abnehmenden Grenznutzen“. Millionäre und Millionärinnen sind zwar glücklicher als Menschen mit einem überschaubaren Einkommen. Dieser Unterschied ist jedoch nicht so groß wie zwischen Gut- und Geringverdienenden.
15 – 20 Prozent sind chronisch unzufrieden
Die US-Forscher Kahneman und Killingsworth kamen in einer gemeinsamen Studie zu dem Schluss, dass höheres Einkommen die meisten Menschen in der Regel glücklicher macht. Es gibt jedoch eine wichtige Ausnahme: Wenn Menschen bereits wohlhabend sind, aber dennoch unglücklich, macht kein Geld der Welt sie wieder glücklich. Die Studie ergab, dass in jeder Einkommensgruppe etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung chronisch unzufrieden sind.
Grenzen des Einkommenseffekts auf Glück
Und wie wirkt sich das Einkommen konkret in verschiedenen Gehaltsklassen auf das Wohlbefinden aus? US-Studien zeigen, dass ab einem Jahreseinkommen von 100.000 US-Dollar ein Plateau erreicht wird, bei dem eine weitere Einkommenssteigerung nicht mehr zur Verbesserung des Wohlbefindens führt. Dies gilt insbesondere für Menschen, bei denen keine materielle Notlage besteht. Maßnahmen wie Steuerreduzierungen, Gehaltserhöhungen oder ein Wechsel zu besser bezahlten Jobs können zwar das persönliche Wohlbefinden steigern, aber es gibt einen Punkt, an dem das Glückswachstum sein Limit erreiche: nämlich ab einem Jahreseinkommen von 500.000 Dollar.
81.000 Euro erzielen maximale Glücksgefühle
In Deutschland sieht die Situation laut des Soziologen und Glücksforschers Jan Delhey von der Uni Magdeburg etwas anders aus. Amerikaner und Amerikanerinnen pflegen danach ein größeres Bestreben, finanziellen Erfolg nach außen zu zeigen, während in Deutschland finanzielle Sicherheit einen hohen Stellenwert hat und das Glücksempfinden positiv beeinflusst. Der US-Psychologe Andrew T. Jebb von der Purdue University in West Lafayette teilt Glück in „Lebenszufriedenheit“ als langfristige und „emotionales Wohlbefinden“ als kurzfristige Variable ein. Seiner Ansicht nach müssten Menschen rund 81.000 Euro Bruttogehalt jährlich verdienen, um besonders glücklich zu sein. Dieser Wert scheint langfristig einen Mittelwert zwischen finanzieller Zufriedenheit und Freizeit darzustellen. Ab dieser Einkommensschwelle lässt sich das Glücksempfinden durch mehr Geld nur noch geringer steigern.