Viele Anleger konzentrieren sich beim Vorsorgesparen fast ausschließlich auf den Ruhestand. Doch finanzielle Risiken können jederzeit entstehen, nicht erst im Alter. Diese Aspekte sollten Sie unbedingt berücksichtigen.
Finanzielle Vorsorge beinhaltet mehr als die Absicherung des Rentenalters. Ziel sollte sein, schon während des Berufslebens handlungsfähig zu bleiben, etwa bei Notfällen, kurzfristigen Engpässen oder geänderten Rahmenbedingungen.
Neben dem Rentensparen sind drei Aspekte wichtig
Finanzielle Herausforderungen können weit vor dem Rentenalter eintreten. So stellen Jobverlust, Krankheit oder Berufsunfähigkeit Familien oder Singlehaushalte immer wieder vor große Belastungen. Um solch einschneidende Risiken zu minimieren, sollten Sie sich drei grundlegende Fragen stellen:
- Bin ich finanziell flexibel, wenn ich kurzfristig Geld brauche?
- Habe ich existenzbedrohende Risiken ausreichend abgesichert?
- Sind Regelungen getroffen, wie es weitergeht, sollte ich nicht mehr selbst entscheiden können?
1. Liquidität und Sparguthaben
Beim Vermögensaufbau geht es nicht nur darum, Geld langfristig anzulegen. Wichtig ist auch eine flexible Finanzreserve für akute Notfälle, zum Beispiel wenn die Waschmaschine kaputt geht oder das Auto plötzlich streikt. Außerdem sollte sich jede Familie ein Finanzpolster für Neu- oder Erhaltungsanschaffungen zulegen, etwa wenn sich Nachwuchs ankündigt und ein neues Kinderzimmer eingerichtet werden muss oder wenn die in die Jahre gekommene Sofa-Landschaft ersetzt werden soll. Tages- und Festgelder bieten hier je nach Bedarf geeignete Anlagemöglichkeiten.
2. Absichern und Versichern
Sparen gehört in vielen Haushalten zur Tagesordnung, das Thema Risiken absichern wird hingegen häufig weniger konsequent verfolgt. Dabei kann ein lebensverändernder Umstand wie ein Unfall, eine Krankheit oder der plötzliche Ausfall von Einkommen jederzeit passieren. Solche Ereignisse gehören zu den häufigsten Gründen für finanzielle Schieflagen. Das heißt nicht, dass man jedes nur erdenkliche Risiko ausschließen sollte. Aber die wesentlichen, existenzgefährdenden Risiken wie etwa Berufsunfähigkeit, sollte man schon berücksichtigen und bewusst entschärfen.
3. Zuständigkeiten und Vollmachten
Nicht unterschätzen sollte man auch die Frage, was passiert zum Beispiel nach einem schweren Unfall, wenn die eigene Entscheidungsfähigkeit eingeschränkt, sein sollte. Vollmachten, Bank-Zugriffsrechte und Vertretungsregelungen sind Themen, die dann besonders wichtig werden. Wer darf handeln? Wer hat Zugriff? Wer weiß, was der Verunglückte gewollt hat? Wohl dem, der ausreichend vorgesorgt hat, etwa mit Vorsorge- und Bankvollmachten.
Vorsorge geht weit über die finanzielle Absicherung fürs Rentenalter hinaus. Sie umfasst die grundlegende Verantwortung für die eigene Situation in allen Lebenslagen. Sie beginnt nicht mit dem Ruhestand, sondern mit der bewussten Auseinandersetzung mit der individuellen Situation – und mit der Entscheidung, Strukturen rechtzeitig zu klären. Schieben Sie diese Entscheidungen nicht auf die lange Bank!